Heute haben wir die Angst vor den Gefahren des Alltages weitestgehend aus unseren Gedanken verdrängt. Sollte einmal etwas passieren – über den Notruf „112“ ist schnell Hilfe zur Stelle. Die Fahrzeuge der Feuerwehr gehören zu unserem alltäglichen Straßenbild. Hausrat- und Feuerversicherung sichern uns gegen materiellen Schaden ab.

Doch wie war es vor 400 Jahren.

Das stormansche Dorf Bramfeld gehörte damals zum Amt Trittau. Die Straßen in unserem Dorf waren einfache Sandwege, die Häuser reetgedeckt und der Innenausbau dieser Häuser hauptsächlich aus Holz. Die Speicher waren gerade nach der Erntezeit bis obenhin mit Garben und Heu gefüllt. Es ist verständlich, wie zu dieser Zeit unsere Vorfahren von Angst erfüllt waren, wenn ein Gewitter aufzog. Bei Nacht beschleunigte dann der Nachtwächter seinen Schritt, klopfte überall ans Fenster und rief „Upstahn! Kümmt’n Gewidder hoch!“

Der Nachtwächter im Dorfe trug immer eine große Verantwortung für das schlafende Dorf. Diesen Dienst vertraute man nur gewissenhaften Persönlichkeiten an.
Jeder wurde zum sorgsamen Umgang mit Licht und Feuer erzogen. Es war Sitte, daß der Hausherr vor der Nachtruhe überall nach dem Rechten sah, ob das Feuer auf dem offenen Herd gelöscht oder die glühenden Kohlen gut unter der Feuerstülpe verdeckt waren.
Brach trotz aller Vorsichtsmaßnahmen ein Feuer aus, so waren die Menschen auf nachbarschaftliche Hilfe angewiesen. Ertönte das Feuerhorn, so rannten alle Bewohner des Dorfes auf die Straße und vor Erregung heisere Stimmen riefen: „Füer! Füer! Dat brennt bi....“. In dieser kleinen Dorfgemeinschaft waren die Namen der in Not Geratenen bestens bekannt. Schnell waren alle Dorfbewohner versammelt, um – mit Eimern und nassen Tüchern bewaffnet – zur Hilfe zu eilen.
Eine Feuerspritze gab es noch nicht. Frauen, Kinder und Greise bildeten vereint eine Kette, die von der Wasserstelle bis zur Brandstelle die Eimer transportierte. Die Männer liefen ins Haus, um das Vieh und das Hab‘ und Gut zu retten.
Doch nur selten gelang es, ein in Flammen stehendes Haus zu retten, denn die Bauweise und die ungenügende Wasserversorgung waren schuld daran, daß die Gebäude häufig bis auf die Grundmauern niederbrannten.

Durch Feuer vernichtete Gehöfte blieben oft lange Zeit brach liegen, da der Bauer aus eigener Kraft den Wiederaufbau nicht finanzieren konnte. Hier griff dann die Behörde ein und machte die gesamte Dorfschaft dafür verantwortlich, denn der Hof, der ungenutzt dalag, bracht keine Einnahmen für das Amt Trittau.
Aus diesem Umstand gründeten die Bramfelder bereits 1633 die „Hochfürstliche Bramfeldische Brand-Gilde – de anno 1633“. Aufgabe dieser Institution war es, den durch Brand geschädigten Dorfmitgliedern besser und schneller zu helfen. Dazu gehörte die Einrichtung einer Feuerversicherung auf Gegenseitigkeit. Ebenfalls wurde in der Brandgilde die ersten brandverhütenden Maßnahmen beschlossen und durchgeführt.
Es wurde genau festgelegt, welcher Hof die Feuerleiter, den Feuerhaken oder die Dachleiter bereitzustellen hatte. Auf jedem Hof mußten mehrere lederne Löscheimer bereitstehen. Löschteiche wurden angelegt und so über das Dorf verteilt, daß man wenn Feuer ausbrach, Wasser in erreichbarer Nähe hatte.
Nur ehrbare Männer des Dorfes wurden in die Brandgilde aufgenommen. Die Aufnahmegebühr betrug 12 Schilling, außerdem mußte das neue Mitglied der Gilde ein zinnernes Gefäß stiften.
Die Bramfelder Brandgilde war die erste, die in Stormarn gegründet wurde. Bald gehörten ihr auch Mitglieder aus einem großen Teil der stormarnschen Dörfer an. Zum 100jährigen Bestehen 1733 zählte sie annähernd 200 Mitglieder. Ein Zeichen, daß diese private Brandversicherung eine segensreiche Einrichtung sein muß.

Durch eine allgemeine Verordnung der Obrigkeit wurde die Bramfelder Gilde aufgehoben und am 20.Januar 1776 die Allgemeine Brandkasse eingeführt. Im Rahmen dieser Verordnung wurden die Dörfer angehalten, Pflichtfeuerwehren zu unterhalten. Damit übernahmen auch in Bramfeld die „Wittkittel“ – sie erhielten diesen Namen aus dem Volksmund, weil sie im Dienst weiße Leinenmäntel trugen – den Brandschutz.
Jeder dieser Feuerwehrmänner war verpflichtet, folgende Geräte bereitzuhalten: eine Lampe, eine 5 m lange Leiter, eine Patsche (Besen mit einem Sack überdeckt), einen Feuerhaken und 2 lederne Wassereimer.
Das Spritzenhaus stand in Bramfeld am Dorfplatz. Neben diesem Spritzenhaus standen zwei alte Eschen, in deren Äste die Schläuche zum Trocknen aufgehängt wurden. Schuster Frank war der letzte Hauptmann der Wittkittel in Bramfeld.


Im Frühjahr 1887 wurde unter den Bramfelder Bürgern ein neuer Gedanke geboren. Nach dem Vorbild in einigen anderen Dörfern, wollte man auch hier eine Freiwillige Feuerwehr ins Leben rufen. Nach langen Vorgesprächen war es dann am 24.Juli 1887 so weit; 24 Bramfelder fanden sich zusammen. Zu ihrem Commandeur wählten sie Heinrich Bahr, Spritzenmeister wurde Ernst Riepen.
Der Königliche Kirchspielvogt in Bargteheide stimmte am 3. August 1887 der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Bramfeld zu.
Anfangs nutzte die Freiwillige Feuerwehr die Geräte und das Spritzenhaus der Pflichtfeuerwehr, die weiterhin bestand. Die Freiwillige Feuerwehr beschaffte sich erst 1889 eine neue Handdruckspritze, die alte kleinere Spritze überließen sie den Wittkitteln. Im Jahre 1895 konnte ein großes Geräte- und Spritzenhaus für die Freiwillige Feuerwehr eingeweiht werden.
1912 wurde ein zweiter Gerätewagen angeschafft. Im selben Jahr versicherte die Gemeinde die aktiven Mitglieder der Wehr gegen Unfall. Zu diesem Zeitpunkt bestand die Wehr aus 61 aktiven und 33 passiven Mitgliedern.
Im Februar 1913 bildete sich eine Sanitätskolonne, bestehend aus 6 Mann. Die Ausbildung dieser Männer übernahm der Bramfelder Arzt Dr. Willy Nissen. Neben der Ersten Hilfe bei den Einsätzen der Freiwilligen Feuerwehr übernahmen diese Sanitäter auch den Rettungsdienst im Ort.
Eine Magirus-Leiter konnte 1914 angeschafft werden. Die Steighöhe dieser pferdebespannten Leiter betrug 15 Meter.
Ein neues Fortbewegungsmittel, das Fahrrad, setzte sich auch bei der Feuerwehr durch. So wurde beschlossen. Das die Mitglieder, die ein Feuerhorn besaßen, auf dem Fahrrad durch das Dorf zu fahren und mit dem Feuerhorn ihre Kameraden zu alarmieren hatten.

Während des Ersten Weltkrieges wurde der Wachdienst der Nachtwächter in Bramfeld durch freiwillige Feuerwehrmänner verstärkt, so daß nun 4 Mann in Bramfeld Wache gingen. Durch die Einziehung zum Wehrdienst betrug die Stärke der Wehr 1915 nur noch 24 Mitglieder. Deshalb wurde beschlossen, durch eine Zeitungsanzeige Hilfskräfte im Feuerlöschdienst als Ersatzmannschaften während des Krieges anzuwerben.
Bereit 1919 betrug die Stärke der Freiwilligen Feuerwehr Bramfeld wieder 70 aktive und 29 passive Mitglieder.
1922 konnte für die Wehr 3 Rauchschutzhelme beschafft werden. Im selben Jahr – es war die Zeit der Inflation – berechnete die Berufsfeuerwehr Hamburg für einen Einsatz in Rahmen der Nachbarschaftshilfe 75.000 Mark pro Stunde.
Ein ewiges Problem war die Bespannung der Feuerwehrfahrzeuge. Die Bauern waren zwar verpflichtet eine ausreichende Zahl an Pferden zum Einsatz zu stellen, doch häufig kam es darüber zum Streit.
1924 wurden 2 Feuerlöscher angeschafft, die bei Feuerwehrleuten in Bramfeld stationiert wurden. Damit sollten Entstehungsbrände schnell bekämpft werden.

 

Die erste Motorspritze konnte in Bramfeld am 28. Januar 1926 in Dienst gestellt werden. Sie hatte eine Leistung von 800 l Wasser pro Minute. Für diese Anschaffung wurde 4.000 Mark an Spenden aufgebracht. Die andere Hälfte des Kaufpreises trug die Landesbrandkasse Kiel, nachdem ihre Forderungen für die Verbesserung der Wasserverhältnisse in Bramfeld geklärt waren.
Am 2. September 1926 ertönte gegen 2 Uhr das Feuerhorn. Die Freiwillige Feuerwehr Bramfeld und Wandsbek eilten zum Hof des Bauern Remstedt. Hier standen das reetgedeckte Wohnhaus sowie der Pferdestall und die Geflügelställe in Flammen. Der Kuhstall konnte gerettet werden, ebenso alles Vieh. Es war die „Feuertaufe“ für die neue Motorspritze.
Glück im Unglück hatte die Freiwillige Feuerwehr Bramfeld. Ein filmbegeisterter Mitbürger hatte den gesamten Einsatz auf Zelluloid festgehalten. Dieses einzigartige Dokument befindet sich heute im Besitz der Wehr.
Zum 40jährigen Stiftungsfest im Jahre 1927 bestand die Wehr aus 75 aktiven und 93 passiven Mitgliedern. Wie wichtig damals – und auch heute noch für viele Freiwillige Feuerwehren auf dem Lande – die passive Mitglieder waren, zeigt die Finanzierung der Motorspritze und andere Geräte, denn die Feuerwehr Bramfeld war als Verein auf Mitgliedsbeiträge und Spenden angewiesen, um den Brandschutz aufrechterhalten zu können. Die Gemeinde allein war nicht in der Lage, diese Finanzierung zu übernehmen.
In diesem Jahr wurde die Wehr zu 5 Einsätzen gerufen. 43 Einsätze hatte die Sanitätskolonne.

 

Auf der Hauptversammlung am 24.Januar 1929 wurde die Gründung einer Jungendfeuerwehr beschlossen. Sie sollte zur Ausbildung des Nachwuchses dienen. Jedoch erst 40 Jahre später wurde dieser Beschluß auch in die Tat umgesetzt.
Am 1. August desselben Jahres traten die Mitglieder der Wehr der Sterbekasse des Kreisfeuerwehrverbandes Stromarn bei.

 

 


1930
wurde das erste Kraftfahrzeug beschafft. Es war ein Gräf & Stift, das von den Adler-Werken in Bramfeld für die Feuerwehr umgebaut wurde.

Nicht nur im eigenen Ort wurde die Feuerwehr Bramfeld eingesetzt. Im Rahmen der Nachbarschaftshilfe fuhr sie auch zu Bränden nach Hummelsbüttel, Wellingsbüttel, Poppenbüttel und Sasel. Teilweise fuhren die Bramfelder Feuerwehrmänner auf dem Fahrrad zu diesen Einsätzen.
Für die Provinz Schleswig-Holstein trat am 23. Januar 1932 ein neues Polizei-Verwaltungsgesetz in Kraft. Darin wurde die Dienststellung innerhalb der Feuerwehr geregelt. Auch eine einheitliche Ausrüstung wie z.B. der Schlauchkupplung wurde bestimmt.

Nach Inkrafttreten des Großhamburg-Gesetztes 1937 wurde das ehemalige stormarnsche Dorf Bramfeld an Hamburg angegliedert. Die Besiedlung und Bebauung nahm schnell zu. Die Größe des Stadtteils Bramfeld machte eine neue Form der Alarmierung notwendig. Man entschied sich für die Einführung des Sirenenalarms. Die Sirene war zur damaligen Zeit weithin und für jedermann hörbar. Die erste Sirene war in Bramfeld auf dem alten Spritzenhaus an der Heukoppel stationiert, eine weiter wurde in der Rotdornallee gebaut.
Erst ein halbes Jahr nach der Angliederung Bramfelds an Hamburg 1937 wurde die Freiwillige Feuerwehr der Feuerwehr Hamburg zugeteilt. In diesem Jahr wurde die Wehr zu 6 Einsätzen gerufen.
Zu dieser Zeit veränderte sich auch die persönliche Ausrüstung der Feuerwehrmänner. Die Lederhelme wurden durch Stahlhelme und die geflochtenen Leinengurte durch lederne Hakengurte mit Beil ersetzt.
Gleich bei Ausbruch des II. Weltkrieges am 1. September 1939 wurden die Männer der Freiwilligen Feuerwehr eingezogen. Ein Teil stellte den Feuerwehr- und Bergungstrupp, ausgerüstet mit einem Fahrzeug Ks S8 (Opel Blitz mit Tragkraftspritzenanhänger), der in der Schule Bramfelder Dorfplatz untergebracht war. Der andere Teil bildete einen Halblöschzug und war mit den Bramfelder Fahrzeugen ausgerüstet. Sie waren im Spritzenhaus stationiert. Nach Beendigung des Polenfeldzuges wurde dieser Zustand aufgelöst und die Kameraden konnten wieder nach Hause zurückkehren.
Doch schon im April 1940 wurden die Bramfelder Feuerwehrmänner wieder eingezogen. Sie stellten nun den Löschzug 22/X. und unterstanden dem Luftschutz. Die blauen Uniformen der Feuerwehr wurden durch graue Luftwaffen - Uniformen getauscht. Sie wurden nicht nur zu den Einsätzen in Hamburg gerufen, sondern auch in Berlin, Bremen, und Lübeck eingesetzt.

Die Freiwillige Feuerwehr Bramfeld war damit aufgelöst.

 

1945. Nachdem die Feuerwehrmänner aus dem Kriege wieder nach Bramfeld zurückkehrten, machten sie sich an die Arbeit, die Freiwillige Feuerwehr wieder aufzubauen. Uniformen waren nicht mehr vorhanden, also rückten sie in Zivilkleidung zu den Einsätzen aus.


Bereits 1950 waren es 28 Einsätze, zu denen die Wehr gerufen wurde. Deshalb wurde ihr noch ein 2.Löschfahrzeug zur Verfügung gestellt.
Am 26. und 27. Juli 1952 feierte die Wehr ihr 65. Stiftungsfest. Es war gleichzeitig das erste Volksfest der Freiwilligen Feuerwehr Bramfeld.
Im Jahre 1956 waren es 35 Einsätze, zu denen die 25 Männer der Wehr gerufen wurden. Neuerdings rückten die Feuerwehren auch zu Technischen Hilfeleistungen aus.
Ab 1960 wurden die Feuerwehrmänner mit Schutzanzügen ausgerüstet. Damit war ein erheblicher Fortschritt zur Unfallverhütung getan; denn vorher trug man nur die Uniform, die den Körper ungenügend vor Funkenflug schützte.
Der Beginn des Jahres 1962 war von der großen Sturmflut überschattet, die in Hamburg 312 Menschen das Leben kostete. Auch hier war die Freiwillige Feuerwehr Bramfeld tagelang im Einsatz, um die Sturm- und Wasserschäden zu beseitigen.
Im Jahre 1967 mußte das Spritzenhaus an der Heukoppel dem Neubau eines Kaufhauses weichen. Bis zum Bau eines neuen Domizils wurde die Feuerwehr auf dem Gelände des ehemaligen Bauhofes an der Bramfelder Chaussee 265 provisorisch untergebracht. Am 16. August 1968 wurde der Grundstein für das neue Feuerwehrhaus an der Ellernreihe gelegt und bereits am 17. Dezember konnten die Kameraden ihr Haus beziehen.
In dieser Zeit ging die Zahl der Einsätze sprunghaft in die Höhe. Bereits 1968 waren 70 Alarmierungen zu verzeichnen. Auslösend hierfür war der Neubau der Großsiedlung Steilshoop. Viele der auf dem Baugelände leerstehenden Einzelhäuser, die dem Bauvorhaben weichen mußten, gingen durch Brandstiftung in Flammen auf.
Als Anfang der siebziger Jahre die Mieter ihre Wohnungen in der großen Neubausiedlung bezogen, stiegen auch die Einsatzzahlen der Bramfelder Wehr weiter an. So waren 1972 bereits 112 Alarmierungen zu verzeichnen, die meisten Einsätze davon in Steilshoop. Dieser Umstand erklärte sich mit dem sprunghaften Anstieg der Bevölkerung im Ausrückebereich.
Seit 1969 hatte die Hamburger Feuerwehr auch den Katastrophenschutz übernommen. Als im Sommer 1975 die großen Waldbrände in Niedersachsen die Kräfte der dortigen Feuerwehren überstiegen, hatten die Freiwilligen Feuerwehren Hamburgs als erste aktiv an der Brandbekämpfung mitgewirkt.

Mitte der 70er Jahre nahmen die Einsätze der Freiwilligen Feuerwehren Hamburgs soweit zu, daß das häufige Aufheulen der Sirenen eine nicht unerhebliche Belästigung der Bevölkerung – besonders nachts – darstellte. Im Herbst 1976 erhielten deshalb die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Bramfeld Funkmeldeempfänger. Von diesem Zeitpunkt an spricht man von der „stillen Alarmierung“.